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Gesellschaft

Rainer Maria Schießler: Über Humanität und den flüchtigen Glauben

Pfarrer Rainer Maria Schießler beleuchtet in seinen Äußerungen die fragile Natur des Glaubens und die erlernte Humanität in der modernen Gesellschaft.

In einer Zeit, in der das Wort „Humanität“ oft in politischen und sozialen Debatten verwendet wird, könnte man meinen, dass es aus einer Quelle des kollektiven Bewusstseins sprudelt. Pfarrer Rainer Maria Schießler, ein Mensch, der darauf besteht, dass der Glaube flüchtig ist und Humanität nicht angeboren, hat dazu einige sehr aufschlussreiche Gedanken geäußert.

Schießler, der in einer kleinen Gemeinde in Bayern tätig ist und dort regelmäßig mit den Fragen und Sorgen seiner Mitmenschen konfrontiert wird, hat die Fähigkeit, schwierige Themen in einem einfachen, doch tiefgründigen Licht zu betrachten. „Humanität ist nicht angeboren“, sagt er, „sondern ein Produkt der Erziehung und der Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens machen.“ Diese Aussage mag auf den ersten Blick trivial erscheinen, doch sie birgt eine tiefgehende Wahrheit, die in unserer heutigen Gesellschaft oft ignoriert wird.

Er erzählt von einem jungen Mann aus seiner Gemeinde, der in einem Pflegeheim arbeitet. Der junge Mann wurde in einem schwierigen Umfeld erzogen, von Eltern, die selbst nicht in der Lage waren, ihm Werte wie Empathie und Mitgefühl zu vermitteln. Doch während seiner Ausbildung zur Pflegekraft hat er gelernt, seinen Mitmenschen mit Respekt und Würde zu begegnen. Diese Veränderung, so Schießler, ist nicht das Resultat eines angeborenen Sinns für Humanität, sondern vielmehr das Ergebnis harter Arbeit und bewusster Entscheidungen.

Die Flüchtigkeit des Glaubens

Der Pfarrer spricht auch über den Glauben, der, so scheint es, in der modernen Welt häufig als etwas angesehen wird, das man sich mit einem Klick aneignen kann. „Glauben ist nicht wie eine App, die man herunterlädt“, erklärt Schießler mit einem kleinen Schmunzeln. „Ich sehe viele Menschen, die sich in Zeiten der Not an Gott wenden, aber sobald es ihnen besser geht, verschwinden sie wieder.“ Diese flüchtige Art des Glaubens lässt sich seiner Meinung nach nicht mit echtem Glauben vergleichen.

Er zitiert eine Begebenheit aus seinem eigenen Leben, in der er das Gefühl hatte, Gott während einer schweren Zeit in seinem Leben besonders nahe gewesen zu sein. „Aber ich habe auch gemerkt, dass diese Nähe oft wie ein Schatten verschwindet, wenn alles wieder in Ordnung ist“, sagt er.

Schießler ist sich der Widersprüche und Komplexität des Glaubens bewusst. Er weiß, dass die Spiritualität für viele Menschen eine Art Sicherheitsnetz darstellt, aber auch, dass dieses Netz manchmal nur aus dünnem Faden besteht.

Er plädiert für eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Glauben. „Wir müssen lernen, unseren Glauben nicht nur in Krisenzeiten zu praktizieren, sondern ihn auch in den Alltäglichkeiten des Lebens zu sehen“, erklärt er. Diese Sichtweise könnte viel dazu beitragen, die Flüchtigkeit des Glaubens zu verringern.

Rainer Maria Schießler ist kein Mann der großen Worte. Er spricht die Dinge an, wie sie sind, und fordert die Menschen auf, nicht nur an die Worte der Schrift zu glauben, sondern auch, sie in ihrem Leben zu integrieren. „Die Menschen brauchen nicht nur einen Glauben, der sie in schwierigen Zeiten durchträgt, sondern auch einen, der sie im Alltag leitet und ermutigt.“

Schießlers Absicht ist es, seinen Zuhörern zu helfen, eine Brücke zwischen Glaube und Alltag zu schlagen. Oft sieht er sich mit dem Argument konfrontiert, dass Religion und Glaube nichts mit dem modernen Leben zu tun haben. „Das sind nur Ausreden“, sagt er. „Die Herausforderungen und Fragen bleiben dieselben, egal in welcher Epoche wir leben.“

Die Rückkehr zum Kern

Ein weiterer Punkt, den Schießler anspricht, ist die Entfremdung, die viele Menschen gegenüber der Kirche empfinden. Oft passiert dies aufgrund der starren Strukturen und der dogmatischen Ansichten, die in traditionellen Institutionen fest verankert sind. „Wir müssen zurück zum Kern der Botschaft“, fordert er. „Die Grundlage des christlichen Glaubens sind Liebe und Mitgefühl, nicht die starren Regeln, die viele Menschen als belastend empfinden.“

Schießler hat die bemerkenswerte Fähigkeit, mit einer gewissen Leichtigkeit über schwere Themen zu sprechen. Es gibt Momente, in denen er mit einem kleinen Scherz den Raum auflockert, nur um danach eine tiefgehende Einsicht zu teilen. „Es ist einfach, gut zu sein“, sagt er manchmal, „es ist schwierig, dass auch zu bleiben.“

Er erinnert uns daran, dass Humanität aus den kleinen Gesten des Alltags herauswächst, und dass jeder vielleicht einen Funken der Menschlichkeit in sich trägt, der nur darauf wartet, entfacht zu werden. Diese menschliche Wärme ist es, die er in seiner Gemeinde lebt und die er weitergeben möchte.

Schließlich ist es Schießlers engagierte Überzeugung, dass, egal wie flüchtig der individuelle Glaube auch sein mag, die Verbreitung von Menschlichkeit eine lohnenswerte Sache ist. „Wir sind alle Teil eines größeren Ganzen“, sagt er. „Es ist unsere Verantwortung, das Licht der Menschlichkeit zu verbreiten, auch wenn wir uns manchmal wie Kerzen im Wind fühlen.“

Die Welt braucht Menschen, die trotz der Unsicherheiten des Lebens eine klare Botschaft des Mitgefühls und der Hoffnung verbreiten. Die Herausforderungen sind vielschichtig, und die Antworten sind oft nicht so einfach.

Doch wenn wir aus dem, was Schießler lehrt, einen Funken Hoffnung ziehen können, dann liegt darin die Chance, dass wir nicht nur an unseren Glauben festhalten, sondern auch an der Menschlichkeit, die uns miteinander verbindet und die das Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit fördert.

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